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Menschenhandel und Prostitution in Deutschland

Menschenhandel gilt weltweit als das Verbrechen mit der höchsten Zuwachsrate. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass aktuell über 21 Millionen1 Menschen Opfer von Zwangsarbeit – zur wirtschaftlichen und sexuellen Ausbeutung – sind.

Wir von Esther Ministries e.V. kümmern uns Schwerpunktmäßig um die Opfer sexueller Ausbeutung. Diese Art der Ausbeutung, auch Zwangs- und Armutsprostitution genannt, beraubt die betroffenen Personen ihrer Menschenwürde und verursacht oft starke seelische, psychische und physische Schäden.

1 Letzte Schätzung von 2012 – 2014, Quelle: Europäisches Parlament 2017

Human Trafficking

Menschenhandel ist eine Form der internationalen organisierten Kriminalität und zählt als Drittwichtigste Einkommensquelle nach dem Drogen- und Waffenhandel.

Gemäß einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (I-LO), werden damit jährlich 32 Milliarden US-Dollar Gewinn umgesetzt.

Definition von Menschenhandel nach dem Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen:

Rekrutierung, Transport, Transfer,
Beherbergung oder Empfang von Personen
durch die Androhung von Gewalt
oder den Machtmissbrauch
zum Zweck der Ausbeutung.

Gesetzestext zum Palermo-Protokoll

Unter Ausbeutungsarten von Menschenhändlern, welche die wirtschaftliche und soziale Notlage anderer ausnutzen, zählen u.a. Organentnahme, Adoption und Kindersoldaten. In Deutschland finden sich vermehrt Opfer vor von Zwangsprostitution und Ausbeutung der Arbeitskraft wie,

  • Betteltätigkeiten, Taschendiebstähle, Serieneinbrüche
  • Hausarbeit, häusliche Pflege, Baugewerbe, Landwirtschaft, fleischverarbeitende Industrie, Hotel- und Gaststättenbranche
Komm zum Walk for Freedom dem Schweigemarsch gegen Menschenhandel

Prostitution in Deutschland

Deutschland wird häufig als „Europas größtes Bordell“ bezeichnet. Befragungen zufolge waren 75 – 80 % aller Männer1 mindestens einmal in ihrem Leben bei einer Prostituierten. Gefördert durch die liberale Gesetzgebung von 2002 mit dem Gesetz zur Legalisierung der Prostitution und die geographisch zentrale Lage, hat sich Deutschland zu einem Ziel- und Transitland für Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung entwickelt. Wie viele Frauen, Männer und auch Kinder unter welchen Bedingungen in der Prostitution zu finden sind, weiß niemand genau.

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Sexkäufe pro Tag2
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Prostituierte2
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Reg. Prostitutionsstätten
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Milliarden Jahresumsatz

Armutsprostitution in Deutschland

Ein sehr großer Teil der in Deutschland in der Prostitution arbeitenden Frauen weisen einen Migrationshintergrund auf. Den Angaben der Stuttgarter Polizei zufolge kommen viele Frauen aus den ärmsten Regionen Osteuropas wie Rumänien, Ungarn und Bulgarien.

PUSH-Faktoren

  • Armut und Perspektivlosigkeit
  • Hohe Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne
  • Sexuelle, religiöse und ethnische Diskriminierung
  • Schwache Sozialsysteme
  • Krieg, Katastrophen

PULL-Faktoren

  • Aussichten auf ein besseres Leben
  • Gesundheits- und Bildungseinrichtungen
  • Hohes Wohlstandniveau
  • Nachfrage
  • Gesetzeslage

Aufteilung der 24 900* Anmeldungen in Deutschland

Prostituierte im Corona-Jahr 2020
Quelle: Statistisches Bundesamt
*2019 waren es 40.369 Anmeldungen

Örtlichkeiten von Prostitution

Neben direkt sichtbaren Orten wie dem Straßenstrich, den bordellähnlichen Betrieben wie „Laufhäuser“ und Eroscenter findet sich Prostitution auch in weniger sichtbare Arrangements wie Terminwohnungen, Wohnmobilen, S/M-Studios, Bars, Clubs, Anbahnungslokale, Pornokinos, Saunen und Massageinstitute ebenso wie in Büroräumen, Wohn- und Geschäftshäusern. Auch im erweiterten Prostitutionsbereich, beispielsweise im Escort-Service, in Sexshops und Animierbars sind Prostituierte anzutreffen.

Lt. Bundeslagebild von 2019 nimmt die Prostitutionsvermittlung über das Internet und über die Soziale Medien immer mehr zu. Auch ist eine Zunahme von Wohnungsbordellen zu verzeichnen. Diese Verlagerung der Prostitution in Bereiche, die schwer zu kontrollieren sind, stellt eine Herausforderung für die Strafverfolgung dar.

  • 1032* Frauen prostituieren sich nach polizeilichen Erkenntnissen in Stuttgart (Stand 2018)
  • 480 Prostituierte sind täglich in der Stadt tätig
  • 10 Straßenprostituierte – wobei Straßenprostituion in Stuttgart verboten ist
  • 148 Rotlichteinrichtungen, darunter Dominastudios und Laufhäuser
  • Rund 88 % der Prostituierten sind Ausländerinnen
  • Gründe für die Prostitution seien fast immer Armut und Gewalterfahrungen bzw. Zwangsprostitution

* Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen
Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart 2019

Verteilung der Objekte im Raum Stuttgart in %

Verteilung der Frauen auf die Objekte im Raum Stuttgart in %

Prostitution ist sexuelle Gewalt

Die Übergänge in der Prostitution zwischen legalen sexuellen Handlungen und Vergewaltigungen sind fließend und nur schwer überprüfbar.

Melissa Farley1 fand in einer Studie mit über 800 in der Prostitution arbeitenden Frauen heraus, dass 71 % physisch angegriffen und 63 % vergewaltigt wurden. 68 % der Frauen zeigten Kriterien für eine post-traumatische Belastungsstörung (PTBS). 89 % der Frauen in der Prostitution äußerten den Wunsch die Prostitution zu verlassen.

Psychischen Folgen: Um die unerträglichen Gefühle von Angst, Scham, Schuld, Unsicherheit, Traurigkeit und tiefer Hoffnungslosigkeit aushalten zu können, suchen viele Betroffene Linderung durch den Konsum von Alkohol oder Drogen. Hieraus entwickeln sich nicht selten Suchtkrankheiten als Folgestörung eins Traumas.

Körperliche Schäden: Die offensichtlichen Schäden von sexueller Gewalt sind zunächst Verletzungen, die in Gewaltsituationen entstehen. Gewaltakte, wie Schläge, Würgen oder Kratzen werden oft, zum Zweck der Einschüchterung und Erniedrigung angewandt. Im Zusammenhang mit Vergewaltigungen kommt es zu Hautverletzungen in Form sichtbarer Wunden. Manchmal kommt es zu Knochenbrüchen und bei besonders heftigen Stößen oder Schlägen zu Verletzungen innerer Organe. Neben äußerlich sichtbaren Schäden entstehen durch sexuelle Gewalt auch innere Verletzungen an Organen sowie sexuell übertragbaren Krankheiten.

1 Psychologin, Wissenschaftlerin und Aktivistin gegen Prostitution und Pornographie, Quelle: Prostitution and Trafficking in Nine Countries

Zwangsprostitution

Opfer sexueller Ausbeutung werden vor allem junge Frauen und Mädchen deren Selbstwertgefühl geschwächt ist, Frauen aus prekären Lebensverhältnissen und Frauen aus instabilen sozialen Systemen.

Durch Täuschung in Form falscher Versprechungen und Anwendung von Gewalt unterschiedlichster Form, gelangen diese Frauen in die Prostitution. Ein beliebtes Mittel ist auch die Loverboy-Masche, bei der ein Mann eine Liebesbeziehung vortäuscht. Das Ziel ist, bei den jungen Frauen ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis aufzubauen, um sie dann in der Prostitution auszubeuten.

Esther Ministries bietet Workshops zum Thema „Liebe ohne Zwang“ an, um vor der Loverboy-Methode zu warnen. Wir kommen auch bei Ihnen vorbei, fragen Sie uns gerne an.

Um die Opfer bei der Prostitutionsausübung unter Kontrolle zu halten, wird Täterseitig regelmäßig massive auf diese eingewirkt.

Diese Zahlen beruhen auf Angaben von ermittelten Opfern: Bundeslagebild Menschenhandel 2020

Zu Zwangsprostituierten zählen wir Frauen, die sowohl aus Armut als auch unter Einfluss psychischer und physischer Gewalt gezwungen sind, sich zu prostituieren.

Zwangsprostituierte werden in aller Regel nicht angemeldet und sind daher in den offiziellen Statistiken nicht erfasst. Sie werden häufig weiterverkauft und müssen alle 1-2 Wochen die Stadt wechseln, was es für sie fast unmöglich macht, sich Hilfe zu organisieren.

Die Gesetzeslage

Wir von Esther Ministries sind überzeugt, dass unsere Gesetzeslage zu einem Umdenken in der Gesellschaft führen muss, um die Nachfrage nach Sexkauf zu verringern. Es darf nicht „normal“ sein, zur Prostituierten zu gehen!

Im Jahr 2002 wurde das Prostitutionsgesetz mit dem Ziel erlassen, die rechtliche und soziale Situation für die in der Prostitution freiwillig Tätigen zu verbessern und die Sittenwidrigkeit abzuschaffen. Kriminelle Begleiterscheinungen wie Abhängigkeiten von Zuhältern, Ausstiegsmöglichkeiten sowie gesundheitliche und hygienische Bedingungen sollten damit verbessert werden.

Mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 wurde es Frauen und Männern möglich, sich offiziell anzumelden. Erstaunlicherweise waren auch Jahre nach der Legalisierung genaue Zahlen darüber, wie viele Frauen in der Prostitution arbeiten, nicht bekannt, denn angemeldet waren (2013) laut „Welt am Sonntag“ nur 44 Personen.

Zum 1. Juli 2017 ist das Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen in Kraft getreten. Kernelemente sind die Einführung einer Anmeldepflicht, Verbindliche gesundheitliche Beratung und eine Erlaubnispflicht für das Prostitutionsgewerbe, mit dem Ziel:

  • Die sexuelle Selbstbestimmung von Prostituierten stärken
  • Grundlagen zur Gewährleistung vertraglicher Arbeitsbedingungen
  • Gefährliche Erscheinungsformen der Prostitution zu verdrängen
  • Kriminalität in der Prostitution wie Menschenhandel, Gewalt und Ausbeutung von Prostituierten und Zuhälterei zu bekämpfen

2019 waren 40 400 Prostituierte angemeldet. Wieviel Prostituierte es tatsächlich in Deutschland gibt ist unklar, laut Schätzungen sind es jedoch zwischen 150 000 und 700 000. Angesichts dieser hohen Zahlen ist die Zahl der angemeldeten Prostituierten sehr gering.

Auf Bundesebene soll am 1. Juli 2022 eine Evaluation starten, die sich mit den Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes befasst und deren Ergebnisse bis spätestens 2025 dem Bundestag vorzulegen sind.

Schweden hat das sogenannte „Nordische Modell“ als erstes Land eingeführt. Länder wie Frankreich, Kanada, Irland und Island haben dieses Modell ebenfalls eingeführt. Das Modell besteht aus vier Säulen:
1) Entkriminalisierung der Prostituierten
2) Kriminalisierung der Sexkäufer und Betreiber
3) Finanzierung von Ausstiegsprogrammen für Prostituierte
4) Aufklärung in der Gesellschaft

2017 befasste sich eine wissenschaftliche Studie mit allen Modellen der Prostitutionsgesetzgebung. Obwohl es keine Ideallösung sei, sieht sie unter Auswertung der vorhandenen Studien gerade im „Nordischen Modell“ Vorteile:

  • Menschenhandel und die Zuhälterei seien mit diesem Modell rückläufig.
  • Prostituierte erhalten bessere Unterstützung als in allen anderen Systemen

Quelle: Deutscher Bundestag

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